Skiwachs: Arten, Temperaturwahl und Anwendung
Welches Wachs bei welcher Temperatur? Schneeart erkennen, richtig wachsen, richtig bürsten — verständlich erklärt, mit Quellen.
Skiwachs-Wissen
Material, Technik und Anwendung — von der Wachswahl bis zum Bürstprotokoll.
Wachs-Basics
Warum Ski wachsen?
Skiwachs reduziert Reibung und schützt den Belag.
Skibeläge bestehen aus UHMWPE (Ultra High Molecular Weight Polyethylene) — einem harten, porösen Kunststoff. Ohne Wachs oxidiert die Oberfläche und wird rau. Der Ski wird langsam.
Wachs füllt die Mikroporen des Belags und bildet einen dünnen Film, der den Wasserfilm zwischen Ski und Schnee optimiert. Zu viel Wasser (nasser Schnee) bremst durch Kapillarsog, zu wenig Wasser (kalter, trockener Schnee) erhöht die Trockenreibung.
Regelmässiges Wachsen schützt den Belag vor Oxidation, UV-Strahlung und mechanischem Abrieb durch aggressive Schneekristalle. Ein gut gewachster Ski gleitet nicht nur besser — er hält auch länger.
Wachstypen: Grundwachs, Rennwachs, Finish
Drei Schichten für maximale Performance.
Grundwachs (Base Wax): Weiches, penetrierendes Wachs das tief in den Belag eindringt. Bildet die Basis und schützt vor Oxidation. Wird als erstes aufgetragen.
Rennwachs (Race Wax): Härteres, temperaturspezifisches Wachs. Wird über dem Grundwachs aufgetragen und bestimmt die Gleiteigenschaften bei den aktuellen Bedingungen.
Finish (Topcoat): Liquid- oder Pulver-Überzug als letzte Schicht. Besonders wirksam bei feuchten Bedingungen (hydrophobe Wirkung). Im Rennsport ab nassem Schnee empfohlen (bei feuchtem Schnee nur bei hoher Luftfeuchtigkeit, auf Kunstschnee immer als Schutzschicht), bei trockenen/kalten Bedingungen oft verzichtbar. Im Rennsport kann zwischen Rennwachs und Finish zusätzlich ein eingebügeltes Race-Pulver (P-Stufe) liegen; das Finish bildet dann die oberste Schicht.
Mehr dazu im Artikel: Grundwachs vs. Rennwachs
Das Farbsystem: Gelb, Rot, Blau
Wachsfarben codieren Temperaturbereiche.
Viele Hersteller nutzen ein ähnliches Farbschema: Gelb steht für warme Bedingungen (0 bis -6°C), Rot für mittlere (-4 bis -12°C) und Blau für kalte Bedingungen (-8 bis -20°C). Grün markiert Extremkälte. Achtung bei den Abweichungen: Rex belegt Blau mit dem mittleren Bereich (Grün = kalt), Toko und HWK benennen ihre Linien teils Warm/Mid/Cold.
Die Bereiche überlappen bewusst — in der Übergangszone kann man beide Farben testen. Bei Unsicherheit ist die kältere (härtere) Variante meist die sicherere Wahl: Zu weiches Wachs wird von den Schneekristallen durchdrungen, bremst und verschleisst schnell — zu hartes gleitet nur minimal schlechter.
Mehr dazu im Artikel: Welches Wachs bei welcher Temperatur
Fluorverbot: Was sich seit 2023/24 geändert hat
Alle FIS-Wachse sind jetzt fluorfrei.
Seit der Saison 2023/24 sind alle fluorhaltigen Wachse im FIS-Wettkampfbereich verboten. Grund: Umwelt- und Gesundheitsbedenken (PFAS). Die FIS testet mit Handgeräten an der Skilaufsohle — bei positivem Test: Disqualifikation.
Die Hersteller haben reagiert: Holmenkol Syntec FF, Swix HS/Pure, HWK HX, Toko HP/Jet und Rex NF/NFX sind die aktuellen fluorfreien Rennserien. Die Leistung ist dank neuer Additive vergleichbar, die Anwendung hat sich aber teilweise verändert (andere Bügeltemperaturen, längere Abkühlzeiten).
Mehr dazu im Artikel: Fluorverbot im Skiwachs
Die Physik dahinter
Die 5 Reibungsmechanismen
Pflügen, Adhäsion, Schmierung, Kapillarsog, Kontamination.
Die Gleitreibung zwischen Ski und Schnee ist komplex. Fünf Mechanismen wirken gleichzeitig:
1. Pflügen: Der Ski drückt Schneekörner beiseite (dominiert bei weichem Schnee).
2. Adhäsion: Molekulare Anziehung zwischen Belag und Eis (dominiert bei Kälte).
3. Hydrodynamische Schmierung: Wasserfilm reduziert Kontakt (optimal bei ~-3°C).
4. Kapillarsog: Wasser "saugt" den Ski an (dominiert bei nassem Schnee).
5. Kontamination: Schmutzpartikel erhöhen die Reibung.
Der Wasserfilm: Zu dünn, optimal, zu dick
Optimale Schmierung bei ~-3°C Schneetemperatur.
Bei circa -3°C Schneetemperatur entsteht durch Reibungswärme und Druckschmelze ein optimaler Wasserfilm von wenigen Mikrometern Dicke. Der Reibungskoeffizient erreicht hier sein Minimum — im Labor (Polyethylen auf Eis) bis µ ≈ 0.005 (Bäurle/ETH Zürich); auf Schnee liegen reale Werte um 0.02–0.05.
Kälter als -3°C: Zu wenig Wasser → Trockenreibung steigt. Wärmer als -3°C: Zu viel Wasser → Kapillarsog bremst. Wachs und Struktur verschieben dieses Optimum: Hydrophobe Wachse bei nassem Schnee, weiche Wachse bei kaltem.
Reale Kontaktfläche: Nur 0.4%
Ski berührt den Schnee fast nicht.
Messungen von Theile am SLF (WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung) zeigen: Die tatsächliche Kontaktfläche zwischen Skibelag und Schnee beträgt nur 0.4% der geometrischen Fläche. Der Kontakt findet an winzigen Punkten von ~110µm Durchmesser statt.
Das erklärt, warum feine Belagstrukturen so wirkungsvoll sind: Sie steuern, wie viele und welche Kontaktpunkte entstehen. Eine grobe Struktur reduziert den Kapillarsog bei nassem Schnee, eine feine minimiert die Kontaktfläche bei trockenem.
Kunstschnee: Andere Physik, andere Reibung
Dichte, Kristallform und Reibungsverhalten unterscheiden sich grundlegend.
Technischer Schnee (Kunstschnee) entsteht durch Zerstäubung von Wasser unter Druckluft. Dabei bilden sich kleine, sphärische Eiskugeln (0,2–0,5 mm) statt der sechseckigen Schneesterne des natürlichen Schneefalls. Diese runden Kristalle packen sich deutlich dichter zusammen: Frischer Kunstschnee wiegt 300–500 kg/m³ — natürlicher Neuschnee nur 50–150 kg/m³.
Für die Wachswahl hat das drei Konsequenzen:
1. Härteres Wachs nötig: Die dicht gepackten, harten Eiskugeln erzeugen mehr Abrieb am Skibelag als natürliche Schneekristalle. Ein härteres (kälteres) Wachs widersteht diesem Eindringen besser. Die Faustregel aller grossen Hersteller: Eine Farbstufe kälter wählen als die Temperatur vermuten lässt.
2. Molybdän und Graphit helfen: Additive wie Molybdändisulfid (MoS₂) oder Graphit wirken als Festkörper-Schmiermittel. Sie reduzieren die Trockenreibung auf den harten Kristallen, sind antistatisch und verlängern die Haltbarkeit der Wachsschicht.
3. Feinere Struktur: Die gleichmässig runden Körner brauchen weniger Wasserabfuhr-Struktur als grobe Naturschneekristalle. Bei kaltem Kunstschnee genügt eine sehr feine, lineare Struktur (0,01–0,02 mm).
Mehr dazu im Artikel: Skiwachs für Kunstschnee
Einflussfaktoren auf die Wachswahl
Schneetemperatur: Der wichtigste Parameter
Bestimmt Wachshärte und Wasserfilmdicke.
Die Schneetemperatur — nicht die Lufttemperatur — ist der entscheidende Parameter für die Wachswahl. Sie bestimmt, wie viel Schmelzwasser zwischen Ski und Schnee entsteht und damit, wie hart das Wachs sein muss.
Schneetemperatur ≠ Lufttemperatur: An einem sonnigen Tag kann die Schneeoberfläche auf einem Südhang 5–10°C wärmer sein als die Luft. Im Schatten oder bei Wind kann sie kälter sein. Die App berechnet die Schneetemperatur mit einem physik-basierten 3-Schicht-Energiebilanzmodell (V3), das Sonneneinstrahlung, Hangneigung, Hangrichtung, Windgeschwindigkeit, Bewölkung, Schneeeigenschaften, Sublimation und den Tagesverlauf seit der Nacht berücksichtigt. Ergänzt wird die Berechnung durch Regelkorrekturen und den laufenden Abgleich mit Messstationen — in der Schweiz gegen das SLF-IMIS-Netz, in Tirol gegen die Stationen des Lawinenwarndienstes (LWD Tirol). Im Rennsport-Modus kann der Nutzer Exposition, Startzeit und Hangneigung angeben — sonst werden Standardwerte (Südhang, 10:00, 25°) verwendet.
Schneefeuchte: Der stärkste Reibungsprädiktor
Wolfsperger et al. (2021): R²=0.77.
Aktuelle Forschung (Wolfsperger et al., 2021) zeigt: Die Schneefeuchte erklärt 77% der Varianz in der Skireibung — mehr als jeder andere Einzelfaktor. Die App berechnet die Feuchte nach ICSSG-Klassen (International Classification for Seasonal Snow on the Ground):
Trocken (T_snow < -3°C): Kein freies Wasser. Hartes Wachs, feine Struktur.
Feucht (-3°C bis -1°C): Minimaler Wasserfilm. Übergangsbereich.
Nass (-1°C bis 0°C, niedrige Luftfeuchtigkeit): Sichtbarer Wasserfilm. Finish empfohlen.
Sehr nass (-1°C bis 0°C bei hoher Luftfeuchtigkeit, oder 0°C+): Wasserfilm-Management kritisch. Hydrophobes Finish + Struktur.
Durchnässt (0°C+ bei starkem Niederschlag oder sehr hoher Luftfeuchtigkeit): Maximaler Wassertransport nötig. Grobe Struktur + Finish zwingend.
Die Grenzwerte zwischen "Nass", "Sehr nass" und "Durchnässt" hängen nicht nur von der Schneetemperatur ab, sondern auch von Luftfeuchtigkeit und Niederschlag der letzten 48 Stunden — die App berücksichtigt alle drei Faktoren.
Schneekorntyp: Fein, grob, Kunstschnee
Kristallform bestimmt Abrasivität und Kontaktgeometrie.
Neuschnee hat feine, verzweigte Kristalle mit grosser Oberfläche — der Ski "sinkt ein" und die Reibung steigt durch Kapillareffekte. Altschnee hat runde, kompakte Körner mit weniger Kontaktpunkten.
Frost-Tau-Zyklen (nachts friert es, tagsüber taut es) verwandeln Schnee in aggressive, eisige Kristalle die den Belag abschleifen. Kunstschnee ist besonders hart und aggressiv — hier braucht es widerstandsfähigeres Wachs und häufigeres Nachwachsen.
Wann Kunstschnee zum Naturschnee wird
Metamorphose und Alterung von technischem Schnee.
Die scharfen Bruchkanten frischer Kunstschnee-Kristalle glätten sich durch thermische Metamorphose innerhalb von ca. 1–2 Wochen (abhängig von Temperatur und mechanischer Bearbeitung durch Pistenraupen). Die hohe Dichte (und damit Härte) bleibt jedoch bestehen — Kunstschneepisten apern typischerweise 2–4 Wochen später aus als vergleichbare Naturschneepisten.
Für die Wachswahl bedeutet das: Auch bei älterem Kunstschnee ist ein leicht härteres Wachs sinnvoll. Die App unterscheidet deshalb zwischen "Kunstschnee (frisch)" und "Kunstschnee (kompakt)" mit unterschiedlich starker Korrektur.
Luftfeuchtigkeit: Trocken, mittel, feucht
Bestimmt den Hydrophobie-Bedarf des Wachses.
Hohe Luftfeuchtigkeit (>80%) bedeutet mehr Feuchtigkeit im Schnee und dickeren Wasserfilm — hydrophobe Wachse/Finishes sind dann besonders wirksam. Bei trockener Luft (<50%) sublimiert der Schnee schneller und wird aggressiver.
Die App zeigt die Luftfeuchtigkeit in drei Stufen an: gering (<50%), mittel (50–80%), hoch (>80%). Bei Wind verstärkt sich die Sublimation, was den Schnee zusätzlich umwandelt.
Hangexposition und Solarstrahlung
Ein Südhang kann 5–10°C wärmer sein als ein Nordhang.
Die Ausrichtung des Hangs zur Sonne hat enormen Einfluss auf die Schneetemperatur. Ein Südhang erhält bei klarem Himmel bis zu 500–600 W/m² direkte Strahlung auf die Hangfläche — das 2–3-Fache einer horizontalen Fläche. Das kann die Schneeoberfläche um 5–10°C erwärmen gegenüber einem Nordhang.
Im Rennsport-Modus fragt die App die Hangexposition ab (N/E/S/W) und berechnet die hangspezifische Sonneneinstrahlung mit dem NOAA/Meeus-Algorithmus. Die Schneetemperatur wird dann über ein Energiebilanz-Modell berechnet, das den tatsächlichen Einfallswinkel der Strahlung auf den geneigten Hang berücksichtigt.
Schritt 1 – Belag reinigen
Warum Vorbereitung vor dem Wachsen?
Sauberer Belag = bessere Wachsaufnahme.
Bevor neues Wachs aufgetragen wird, muss der Belag gründlich gereinigt werden. Altes, oxidiertes Wachs, Schmutzpartikel und Abrieb von Piste und Kunstschnee blockieren die Poren des UHMWPE-Belags und verhindern, dass frisches Wachs tief eindringen kann.
Ein korrekt vorbereiteter Belag nimmt messbar mehr Wachs auf, bindet es länger und gleitet nachweislich besser. Professionelle Serviceteams investieren mehr Zeit in die Vorbereitung als in das eigentliche Wachsen.
Hot-Scrape-Methode
Die effektivste Methode zur Basisreinigung.
Beim Hot-Scrape wird ein weiches Reinigungswachs (z.B. Toko Base Performance Cleaning oder HWK Servicewax Soft) aufgebügelt und sofort im noch warmen Zustand abgezogen. Das warme Wachs löst Schmutzpartikel und altes, oxidiertes Wachs aus den Poren.
Ablauf: Reinigungswachs bei herstellerspezifischer Temperatur aufbügeln (Toko BP Cleaning: 110–125°C; HWK Servicewax Soft: nur 55–65°C) → sofort (nicht abkühlen lassen!) mit scharfer Plexiklinge abziehen → der Wachsspan ist dunkel verfärbt, das zeigt den gelösten Schmutz. Bei stark verschmutzten Belägen den Vorgang 2–3 mal wiederholen, bis der Span sauber ist.
Die Methode ist schonender und gründlicher als chemische Reiniger (Wachsentferner), die den Belag austrocknen können. Quellen: Toko Alpine Tech Manual, Swix Wax Manual.
Bürstenreinigung vor dem Wachsen
Struktur öffnen und letzte Rückstände entfernen.
Nach dem Hot-Scrape wird der abgekühlte Belag gründlich ausgebürstet. Eine Stahlbürste (oder Messingbürste bei empfindlichen Belägen) öffnet die Struktur und entfernt die letzten Wachsrückstände aus den feinen Rillen des Grundschliffs.
Technik: 15–20 Striche mit der Stahlbürste von der Skispitze zum Skiende — immer in eine Richtung, nie hin und her. Anschliessend mit einer Nylonbürste (10 Striche) die Fasern glätten und losen Abrieb entfernen.
Erst danach ist der Belag bereit für die erste Wachsschicht (Grundwachs). Dieser Schritt wird oft übersprungen, macht aber einen spürbaren Unterschied in der Wachshaltbarkeit.
Schritt 2 – Wachsen & Bürsten
Bügeltemperatur: Warum Präzision zählt
Zu heiss = Belagschädigung. Zu kalt = kein Eindringen.
Der Skibelag (UHMWPE) schmilzt ab ~135°C — bei dieser Temperatur beginnt der Belag irreversibel zu schrumpfen. Die Bügeltemperatur muss hoch genug sein, damit das Wachs schmilzt und in die Poren eindringt, aber niedrig genug, um den Belag nicht zu beschädigen.
Weiche Wachse (warm/gelb) brauchen niedrigere Temperaturen (ca. 115–130°C), harte Wachse (kalt/blau) höhere (ca. 130–160°C). Fraunhofer IWM hat gezeigt: Die optimale Bügeltechnik ist ein einzelner langsamer Durchgang (15–20 Sekunden Spitze-zu-Ende), nicht mehrfaches schnelles Hin-und-Her.
Mehr dazu im Artikel: Ski wachsen: Anleitung in 6 Schritten
Bürsten: Die unterschätzte Kunst
Schlecht gebürstet > gut gewachst.
Ein schlecht gebürsteter Ski mit Top-Wachs gleitet schlechter als ein gut gebürsteter Ski mit mittelmässigem Wachs. Bürsten entfernt überschüssiges Wachs aus der Struktur und legt die optimierte Oberfläche frei. Nur das Wachs in den Poren zählt — alles auf der Oberfläche bremst.
Warum die Reihenfolge zählt: Jede Bürste hat einen spezifischen Zweck. Harte Bürsten (Stahl, Messing) öffnen die Struktur und entfernen grobes Material. Mittlere Bürsten (Rosshaar, Nylon grob) verfeinern die Oberfläche. Weiche Bürsten (Nylon fein) polieren. Wird die Reihenfolge umgekehrt, verschmiert man die Struktur statt sie freizulegen.
Protokoll A (T_snow ≥ -4°C, warm/nass): Nylon grob → Nylon fein → Polierfilz. Bei weichen, warmen Wachsen reicht eine Nylonbürste. Wenig Druck — das Wachs ist weich und lässt sich leicht entfernen.
Protokoll B (-15°C ≤ T_snow < -4°C, Allround): Stahl → Rosshaar → Nylon fein → Polierfilz. Standard für die meisten Bedingungen. Stahl öffnet, Rosshaar reinigt, Nylon poliert.
Protokoll C (T_snow < -15°C, extrem kalt): Stahl fein → Stahl → Rosshaar → Nylon fein → Polierfilz. Bei harten, kalten Wachsen braucht es mehr mechanische Arbeit.
Sonderregel Kunstschnee: Bei Kunstschnee verwendet die App immer mindestens Protokoll B (mit Stahlbürste) — auch wenn die Schneetemperatur wärmer als -4°C ist. Grund: Die harten Kristalle erfordern eine gründlichere mechanische Freilegung der Struktur. Es gibt kein viertes Protokoll; die App verschiebt lediglich den Schwellenwert.
Technik: Immer in eine Richtung bürsten (Spitze → Ende), nie hin und her. 15–20 Striche pro Bürste, mit gleichmässigem Druck. Den Ski mit dem Belag nach oben einspannen und bei guter Beleuchtung arbeiten — man soll sehen, wie die Struktur freigelegt wird. Nach dem Finish: Nur 5–10 leichte Nylonstriche zum Polieren, ohne Druck.
Grundschliff: Die richtige Ski-Wahl
Semi-permanente Belagsstruktur für verschiedene Bedingungen.
Der Grundschliff (Steinschliff) ist die permanente Struktur im Skibelag, aufgebracht von einer Schleifmaschine. Er bestimmt die Basisperformance des Skis und wird alle 30–50 Skitage erneuert.
Feiner Schliff: Für kalte, trockene Bedingungen. Erzeugt wenig Kontaktpunkte und minimiert die Reibung bei wenig Wasserfilm. Typisch für Innenalpine Bedingungen und harte Pisten.
Mittlerer Schliff: Der Allround-Schliff für die meisten Bedingungen. Guter Kompromiss zwischen Kalt- und Warmperformance. Die richtige Wahl, wenn man nur einen Ski hat.
Grober Schliff: Für warme, nasse Bedingungen. Die tiefere Struktur transportiert überschüssiges Schmelzwasser ab und reduziert den Kapillarsog. Ideal für Frühjahrsskilauf und Sulzschnee.
Profi-Rennläufer haben mehrere Paar Ski mit verschiedenen Schliffen ("Quiver") und wählen je nach Bedingungen den passenden Ski. Die genauen Schliff-Parameter variieren je nach Maschinenhersteller und Servicewerkstatt — deshalb empfiehlt sich ein erfahrener Ski-Service, der die Struktur auf die typischen Bedingungen abstimmt.
Hand-Rilling: Eine Nordic-Technik
Primär im Langlauf und Biathlon relevant — nicht im alpinen Skisport.
Hand-Rilling (auch Structurite) ist eine Technik, bei der mit einem Werkzeug temporäre Rillen in den Skibelag gedrückt werden. Diese Technik stammt aus dem nordischen Skisport (Langlauf, Biathlon) und wurde dort für die spezifischen Anforderungen des flachen Gleitens entwickelt.
Warum Nordic: Im Langlauf gleiten die Ski relativ flach über den Schnee mit konstantem Bodenkontakt. Die aufgebrachten Rillen steuern den Wasserfilm über die gesamte Belagfläche — besonders bei Klassikerski, die in der Gleitphase plan aufliegen. Die Forschung von Breitschädel (NTNU/Norwegian University of Science) und Moldestad bestätigt den messbaren Effekt bei nordischen Disziplinen.
Warum nicht alpin: Alpine Ski werden fast ausschliesslich auf der Kante gefahren. Durch Carving und hohe Geschwindigkeit ist der tatsächliche Belagkontakt mit dem Schnee minimal und verteilt sich anders als beim Langlauf. Die temporären Rillen werden bei alpiner Belastung (Kantendruck, Vibrationen bei 80–130 km/h, aggressive Schneekristalle auf präparierten Pisten) innerhalb weniger Fahrten zerstört. Zudem sind die gängigen Rilling-Werkzeuge für die Breite von Langlaufski konzipiert und passen nicht optimal auf breitere Alpinski.
Fazit: Für alpinen Rennsport und Freizeitskilauf ist ein passender Grundschliff deutlich wirksamer. Die App empfiehlt daher kein Hand-Rilling, sondern konzentriert sich auf die Wahl des richtigen Schliffs und der optimalen Wachskombination.
Schritt 3 – Finish auftragen
Finish-Wachse: Drei Applikationsformen
Liquid, Powder und Block — unterschiedliche Handhabung.
Moderne Top-Finish-Produkte gibt es in drei Formen:
1. Liquid (Spray/Schwamm): Auftragen mit Fleece oder Schwamm, mindestens 20 Min. trocknen lassen, dann mit Roto-Fleece einpolieren und ausbürsten. Kein Bügeleisen nötig. Swix TS Liquids werden mit Roto-Fleece aufgetragen.
2. Powder: Auf vorbereitetes Rennwachs aufstreuen und einbügeln bei höherer Temperatur (150–180°C je nach Hersteller). Rex NFX Pulver erfordern bis zu 180°C (NFX 21/21G/41/00) — die höchste Bügeltemperatur aller Systeme; Ausnahme NFX 11 Yellow: 130°C.
3. Block/Rub-On: Direkt auf den vorbereiteten Belag einreiben und korken. Schnellste Methode, ideal kurz vor dem Start. HWK UHX Block und Rex OLOS/NFX Blocks funktionieren so.
Toko Jet System: Bietet Liquid und Powder in denselben drei Temperaturbereichen an (Warm 0 bis -4°C, Mid -2 bis -12°C, Cold -10 bis -20°C); der Jet Bloc ergänzt als Rub-On die Mid-Range.
Die Wachshersteller
Swix — Lillehammer, Norwegen (seit 1946)
28 Produkte — PS Training, HS Race, TS Black, Pure WC Finish.
Swix ist einer der grössten Skiwachshersteller der Welt. Aktuelles fluorfreies System: Pro by Swix mit PS (Training) → HS (Race) → TS (Top Race). WC Finish: PF (Fine Snow) + PC (Coarse Snow) + PM (Molybdenum).
PS Serie (Training, 6 Produkte): PS5 Turquoise bis PS10 Yellow plus PS Polar für Extremkälte (-32 bis -14°C). Günstige Allround-Wachse (~€8–12/60g).
HS Serie (Rennwachs, 5): HS5–HS10 mit optimierten Biodegradable-Additiven. Bügeltemperaturen 150–160°C je nach Härte.
TS Black Serie (Top Race, 5): TS5–TS10 mit MoS₂-Additiv für Schmutzabweisung. Besonders effektiv auf verschmutztem und aggressivem Schnee.
Pure WC Finish (7): PF25/PF35/PF100 (Fine Snow) und PC25/PC35/PC100 (Coarse Snow) — unterschieden nach Schneetyp UND Feuchtigkeitsklasse. PM Pure Moly für verschmutzten Schnee. Hochpreisig (~€97/20g).
Liquid Finish (5): LF35 Lotus, LFC100 AmphiGlide und TS6/TS7/TS8 Liquid — Roto-Fleece Applikation.
Toko — Altstätten, Schweiz (seit 1916)
33 Produkte — älteste Marke, dreistufiges System + Jet Finish.
Toko ist die älteste der fünf Marken (gegründet 1916, BRAV Switzerland AG). Dreistufiges System: Base Performance → Performance → WC High Performance.
Wichtig: Toko mischt Farbnamen (Yellow/Red/Blue bei Base Performance, Performance, Powder/Liquid) und Klimabezeichnungen (Warm/Universal bzw. Mid/Cold bei High Performance und Jet). Für die Hot-Wax-Linien gilt pro Farbe dieselbe Bügeltemperatur: Yellow 130°C, Red 140°C, Blue 150°C; Pulver benötigen höhere Temperaturen (~160°C).
Base Performance (Training, 4): BP Yellow/Red/Blue plus BP Cleaning Wax für Hot-Scrape. Dazu RS Premix 1916 und All-in-One Hot Wax (2 Universal-Ergänzungen). Performance (Race, 3): Mittlere Stufe. Natural Speed (Race, 3): TripleX-Technologie Heisswachse.
WC High Performance (Race, 3): HP Warm (-4 bis 0°C), HP Universal (0 bis -16°C), HP Cold (-12 bis -24°C). Höchste Leistungsstufe.
Jet Top Finish System (7): Jet Liquid Warm/Mid/Cold + Jet Powder Warm/Mid/Cold + Jet Bloc Mid. Liquid und Powder decken dieselben drei Temperaturbereiche ab; der Jet Bloc ergänzt die Mid-Range als Rub-On. Dazu Jet Black (antistatisch, schmutzabweisend).
Powder & Liquid (10): HP Powder Y/R/B, HP Liquid Paraffin Y/R/B, Performance Liquid Paraffin Y/R/B, X-Cold Powder (-30 bis -15°C).
Holmenkol — Ludwigsburg, Deutschland (seit 1922)
18 Produkte — Erfinder des modernen Skiwachses, Syntec FF System.
Holmenkol (gegründet 1922) gilt als Erfinder des modernen Skiwachses und ist das erste SWAN ECO-zertifizierte Skiwachs-Unternehmen. Hauptsitz: Ludwigsburg. Aktuelles Rennsystem: Syntec FF.
Alpha/Beta/Ultra/Delta Mix (Basis, 4): Alpha Yellow (-4 bis 0°C), Beta Red (-14 bis -4°C, Weltcup-Bestseller), Ultra Blue (-20 bis -8°C), Delta Universal (-12 bis 0°C).
Syntec FF 21 Race Basis (1): Alltemperatur-Rennbasis als kritische Zwischenschicht. FF Bar Rennwachs (4): Yellow/Red/Blue/Green.
Syntec FF1 (World Cup, 6): Liquid Yellow/Red/Blue + Powder Yellow/Red/Blue. Höchste Leistungsstufe, Bügeltemperatur Powder: 150–160°C.
Syntec FF2 (Racing, 3): Liquid Yellow/Red/Blue — zweite Leistungsstufe zum günstigeren Preis (~€64/100ml vs. ~€140–150/50ml bei FF1). FF1 > FF2 in der Hierarchie.
HWK — Ebbs, Tirol, Österreich (seit 2007)
23 Produkte — handgefertigte Wachse, ÖSV/DSV-Lieferant.
HWK Performance (HWK-Kronbichler GmbH) aus Ebbs, Tirol stellt alle Wachse von Hand her. Seit der Saison 2007/2008 offizieller Lieferant für ÖSV und DSV. System: LX (Training) → HX/ARP (Racing) → UHX (World Cup Finish).
LX Basewax (3): Warm (-2 bis +8°C), Middle (-8 bis -2°C), Cold (-15 bis -5°C).
HX Racewax (5): Warm/Middle/Cold plus HX Newsnow Warm/Cold für Neuschneebedingungen.
Alpin Racing PRO (2): ARP Warm (-2 bis +15°C) und ARP Cold (-20 bis +2°C). Co-entwickelt mit Edi Unterberger (Marcel Hirschers Servicemann). Kein ARP Middle — die beiden Produkte decken zusammen +15 bis -20°C lückenlos ab.
UHX Finish (12): Liquo Spray Warm/Middle/Cold, UHX Block Warm/Middle/Middle-Black/Cold, UHX Powder Warm/Middle/Middle-Black/Cold-Polar, plus Prototyp WM25. Das umfangreichste Finish-System aller Hersteller.
Servicewax Soft (1): Ultra-niedrige Bügeltemperatur (55–65°C) für Hot-Scrape.
Rex — Finnland (seit 1952)
25 Produkte — N-KINETIC Technologie, nordische Herkunft.
Rex (gegründet 1952, erstes Produkt: Zündpatrone für die Olympia-Fackel Helsinki) bringt jahrzehntelange Erfahrung aus dem nordischen Skisport mit. Technologie: N-KINETIC™ (3. Generation), UHW (Ultra Hard Wax), Power Polymers.
NF Sisu Base (2): Sisu White (-20 bis +5°C, Allround) und Sisu Black Hard (-25 bis 0°C, abrasiv). Breite Temperaturbereiche.
NF Rennwachs (5): NF11 Yellow, NF21 Blue (laut Rex das schnellste fluorfreie Wachs des Sortiments), NF21G Graphite (Neuschnee), NF31 Green, NF41 Pink/Green (UHW für Kunstschnee). Rex publiziert keine Bügeltemperaturen für NF Blocks.
NFX N-KINETIC Powder (5): NFX 11/21/21G/41 plus NFX 00 SISU Black. Bis zu 180°C — höchste Bügeltemperatur aller Systeme; Ausnahme NFX 11 Yellow: 130°C.
NFX Blocks Rub-On (4): Gold/Blue/NEW/OLD — schnelle Finish-Applikation ohne Bügeleisen, direkt einreiben und korken.
Liquid (8): NFX Blue Liquid, NFX Extra Tuned Blue/Black/Pink, NF Liquid Gliders (NF11/NF21/NF41), Gold Liquid Top Coating. Dazu OLOS Finishing Powder (Rub-On). NF Liquids haben breitere Temperaturbereiche als die gleichnamigen Solid Blocks.
Schneetemperatur & Modell
Wie raceday.ski die Temperatur der Schneeoberfläche berechnet — und woran das Modell geprüft wird.
So rechnet die App
V3 Schneetemperatur-Modell: 3 Schichten + Messstationen
3-Schicht-Energiebilanz mit Regelkorrektur und laufendem Abgleich mit SLF- und LWD-Tirol-Stationen.
Die App berechnet die Schneetemperatur mit einem vollständigen 3-Schicht-Energiebilanzmodell (V3). Statt einer einfachen Formel simuliert das Modell den realen physikalischen Prozess in drei Schneeschichten: Oberfläche (3 cm), Tiefe (17 cm) und Basis (80 cm).
Die 6 Energieflüsse:
1. Kurzwellige Strahlung (Q_sw): Sonneneinstrahlung, abhängig von Sonnenstand, Hangneigung, Hangrichtung und dynamischem Albedo (CLASS-Schema: 0.40–0.70, abhängig vom Schneealter).
2. Langwellige Strahlung (Q_lw): Atmosphärische Gegenstrahlung nach Brutsaert (1975) mit Crawford-Duchon Wolkenkorrektur, minus Abstrahlung der Schneeoberfläche (Emissivität 0.98).
3. Sensibler Wärmefluss (H): Wärmeaustausch mit der Luft, proportional zur Windgeschwindigkeit und Temperaturdifferenz Luft-Schnee.
4. Latenter Wärmefluss (LE): Sublimation (Kühlung, typisch -5 bis -20 W/m²) und Kondensation, mit Richardson-Stabilitätskorrektur.
5. Bodenwärmefluss (G): Wärmeleitung zwischen den drei Schneeschichten nach Sturm et al. (1997). Präparierter Pistenschnee (ρ=450 kg/m³) leitet Wärme deutlich schneller.
6. Topographische Korrektur: Sky-View-Faktor, Horizontabschattung und Terrain-Reflexion reduzieren oder verstärken die Strahlung je nach Gelände.
Dreistufige Verfeinerung:
1. Das physikalische 3-Schicht-Modell berechnet stündlich die Temperatur von der Nacht bis zur Startzeit mit Newton-Iteration (implizite Lösung).
2. Eine regelbasierte Korrektur fängt bekannte Modellschwächen ab (z.B. Unterschätzung der Kühlung bei klarem Himmel).
3. Ein Validierungslauf vergleicht das Modell alle 2 Stunden direkt an den Messstationen (Schweiz: SLF-IMIS, Tirol: LWD Tirol); ein adaptiver Kalman-Filter lernt daraus den lokalen Modell-Bias. Liegt eine Station im Umkreis von 15 km, wird die Vorhersage mit diesem an der Station gelernten Bias korrigiert.
Pistenschnee: Da Rennen ausschliesslich auf präparierten Pisten stattfinden, verwendet das Modell spezifische Pistenschnee-Parameter (Dichte 450 kg/m³, Wärmeleitfähigkeit 0.43 W/(m·K)). Dichter Pistenschnee leitet Wärme aus der Tiefe schneller nach — die Oberfläche kühlt nachts deshalb typischerweise weniger stark aus als lockerer Naturschnee (dafür kühlt die Schneedecke insgesamt schneller durch).
Höhenkorrektur: Statt eines fixen Gradienten (-0.65°C/100m) wird die Temperatur aus 8 Druckniveau-Datenpunkten (1000–700 hPa) der Open-Meteo API interpoliert. So werden Inversionen (wärmer oben als unten) automatisch erkannt und korrekt behandelt. Fallback bei fehlenden Daten: -0.55°C/100m (Winter-Alpen-Mittel nach Rolland 2003).
Die Albedo ändert sich dynamisch: Frisch präparierter Schnee reflektiert ca. 70% der Sonnenstrahlung (α=0.70). Innerhalb von 3 Tagen bei Tauwetter sinkt dieser Wert auf ca. 40% — der Schnee absorbiert deutlich mehr Energie. Das V3-Modell berechnet diesen Zerfall stündlich nach dem CLASS-Schema (Verseghy 1991).
Mehr dazu im Artikel: So wird das Modell geprüft
Warum Exposition alles verändert
Südhang vs. Nordhang: Bis zu 9°C Unterschied in der Schneetemperatur.
Die Hangrichtung (Exposition) hat einen enormen Einfluss auf die Schneetemperatur — grösser als die meisten Skifahrer vermuten. Die direkte Sonnenstrahlung trifft Südhänge fast senkrecht, Nordhänge dagegen nur streifend oder gar nicht. Ein konkretes Beispiel, durchgerechnet mit dem V3-Modell, zeigt den Unterschied.
Szenario: Laterns, 15. Januar, Südhang, 1'600 m
Laterns in Vorarlberg, südseitig exponierte Piste. Rennstart 11:00 Uhr. Angenommene Bedingungen: Lufttemperatur -5°C, Bewölkung unter 20%, Pistenschnee (Albedo 0.60, Dichte 450 kg/m³). Hangneigung 25°, Exposition Süd.
Die Faustregel des Rennfahrers
Viele Rennfahrer schätzen die Schneetemperatur mit einer Daumenregel: «Schneetemperatur ≈ Lufttemperatur minus 2–3°C». Bei -5°C Luft ergibt das ca. -7 bis -8°C. Die Wachswahl fällt auf Toko Performance Red (-12 bis -4°C).
Was das V3-Modell berechnet
Das 3-Schicht-Energiebilanz-Modell rechnet die Schneetemperatur stündlich durch — mit dem NOAA/Meeus-Sonnenstand, Brutsaert-Emissivität, dynamischer Albedo (CLASS-Schema) und Newton-Iteration für die Oberflächentemperatur. Alle Werte sind mit dem tatsächlichen Algorithmus verifiziert.
Der stündliche Verlauf zeigt, wie schnell sich ein Südhang im Januar erwärmt:
Von -12°C auf -3°C in nur 3 Stunden — getrieben durch die 2-fache Strahlungskonzentration auf dem Südhang bei tiefem Sonnenstand.
Faustregel vs. Modell (11:00 Uhr)
-12 bis -4°C
-6 bis 0°C
Warum die Faustregel auf Südhängen versagt
- Strahlungskonzentration: Ein 25°-Südhang fängt bei tiefem Sonnenstand (13–19° im Januar) das 2–3-fache der Strahlung einer ebenen Fläche ein. Die Sonne trifft den Hang fast senkrecht.
- Geringe Wärmekapazität: Nur die oberen ~7 cm der Schneeoberfläche reagieren auf Strahlung. Diese dünne Schicht heizt sich in einer Stunde um 8°C+ auf — viel schneller als Boden oder Wasser.
- Sensible Wärme: Nachts ist der Schnee (-12°C) deutlich kälter als die Luft (-5°C). Dieser Temperaturgradient treibt zusätzlich Wärme von der Luft in den Schnee und beschleunigt die morgendliche Erwärmung.
Bei bewölktem Himmel spielt die Exposition kaum eine Rolle: Ohne direkte Strahlung gibt es keinen Konzentrationseffekt. Die Faustregel liegt dann erstaunlich nahe am berechneten Wert. Deshalb fragt die App im Rennsport-Modus gezielt nach der Hangrichtung.
Solarposition: Sonnenstand auf der Piste
NOAA/Meeus-Algorithmus für präzise Berechnung.
Für die Berechnung der Sonneneinstrahlung auf einem geneigten Hang muss die App den exakten Sonnenstand kennen: Azimut (Himmelsrichtung) und Elevation (Höhenwinkel). Dafür verwendet das V3-Modell den NOAA/Meeus-Algorithmus — denselben, den auch professionelle Solarenergie-Software nutzt.
Aus Datum, Uhrzeit, Breitengrad und Längengrad berechnet die App:
• Sonnenhöhe: Wie hoch steht die Sonne über dem Horizont?
• Sonnenazimut: In welcher Himmelsrichtung steht sie?
• Einfallswinkel auf den Hang: Wie steil trifft die Strahlung auf die geneigte Fläche? (Abhängig von Hangneigung, Hangrichtung und Sonnenposition)
Ein Südhang mit 25° Neigung empfängt im Winter bei tiefem Sonnenstand deutlich mehr Strahlung pro Quadratmeter als eine horizontale Fläche — der Einfallswinkel ist günstiger. Umgekehrt kann ein Nordhang im Winter ab einer gewissen Hangneigung überhaupt keine direkte Sonnenstrahlung mehr empfangen.
Wetterdaten: Open-Meteo Forecast
Stündliche Daten, höhenkorrigiert, 48h Geschichte + 3 Tage Prognose.
Die App bezieht stündliche Wetterdaten von Open-Meteo (kostenlose API, keine personenbezogenen Daten). Abgefragt werden: Lufttemperatur, relative Luftfeuchtigkeit, Bewölkung, Windgeschwindigkeit, Niederschlag, Schneefall, direkte und diffuse Sonnenstrahlung.
Höhenkorrektur: Die API liefert Daten für die Modell-Elevation (typisch ein Gitterpunkt im Tal). Das V3-Modell interpoliert den Temperaturgradienten dynamisch aus 8 Druckniveau-Datenpunkten (1000–700 hPa). So werden Inversionen automatisch erkannt. Fallback bei fehlenden Daten: -0.55°C/100m (Winter-Alpen-Mittel nach Rolland 2003).
48h Geschichte: Für die Schneeklassifikation und das V3-Modell werden 2 Tage Vergangenheitsdaten abgerufen. Daraus erkennt die App: Neuschnee, Frost-Tau-Zyklen, Windverfrachtung, Regen auf Schnee.
Der Entscheidungsbaum: Korntyp → Feuchte → Temperatur
Die gleiche Logik wie bei World-Cup-Serviceteams.
Der Algorithmus folgt dem gleichen Dreischritt wie professionelle Ski-Serviceteams:
Schritt 1 — Schneekorntyp: Bestimmt die Produktfamilie (Neuschnee-Wachse vs. Altschnee-Wachse).
Schritt 2 — Schneefeuchte: Bestimmt den Hydrophobie-Bedarf und ob ein Finish sinnvoll ist.
Schritt 3 — Schneetemperatur: Bestimmt die exakte Wachshärte innerhalb der Produktfamilie.
Jedes Wachs wird auf einer 100-Punkte-Skala bewertet: Temperatur-Match (bis 50 Punkte), Korntyp-Match (bis 25 Punkte), Feuchte-Match (bis 15 Punkte) und Feedback-Bonus (bis 10 Punkte). Bei Produkten mit verifiziertem Hersteller-Feuchteband verschiebt die App die Gewichte auf 45/25/20/10 — die Feuchte-Achse zählt dann stärker.
Feedback-Loop: Die App lernt mit
Jede Empfehlung wird bewertet. Gute Kombinationen steigen.
Nach jeder Empfehlung kannst du bewerten, ob das Wachs gepasst hat. Im Rennsport-Modus kannst du zusätzlich die gemessene Schneetemperatur angeben. Diese Daten fliessen in den Feedback-Bonus des Scoring-Algorithmus ein.
Wachse, die unter bestimmten Bedingungen positive Bewertungen erhalten, steigen im Ranking. Wachse mit negativem Feedback fallen. Je mehr Nutzer Feedback geben, desto präziser werden die Empfehlungen — besonders in Grenzbereich-Situationen, wo zwei Wachse ähnlich gut scoren.
Schneeklassifikation: Automatische Erkennung
48h Wetterverlauf → Schneeart + Feuchte + Begründung.
Das V3-Modell klassifiziert den Schnee automatisch anhand der Wetterhistorie der letzten 48 Stunden. Statt einer einzelnen Frage ("Wie sieht der Schnee aus?") wertet die App mehrere Indikatoren aus:
Neuschnee-Erkennung: Signifikanter Schneefall in den letzten 6–12 Stunden → frischer Schnee. Bei Lufttemperatur < -5°C und niedriger Luftfeuchtigkeit: trockener Neuschnee (Albedo 0.85, Dichte ~80 kg/m³). Bei Grenztemperaturen (Feuchttemperatur -2 bis +0.5°C): feuchter Neuschnee.
Frost-Tau-Zyklen: Mindestens 3 Zyklen mit Amplitude > 5°C in der 48h-Temperaturhistorie → Firn/Harsch. Die Oberfläche wird eisig und aggressiv.
Windverfrachtung: Neuschnee (< 24h alt) + Wind > 30 km/h → windgepresster Schnee. Dichter, härter, andere Kristallstruktur als normaler Neuschnee.
Regen auf Schnee: Niederschlag bei Feuchttemperatur > 1.5°C → Nassschnee/Sulz.
Die Klassifikation gibt zusätzlich ein Konfidenz-Level (0–100%) und eine Begründung an, die erklärt, warum diese Schneeart gewählt wurde. Der Nutzer kann die Schneeart jederzeit manuell überschreiben — zum Beispiel wenn lokale Bedingungen (Beschneiung, Pistengeräte) anders sind als vom Modell angenommen.
Kunstschnee-Korrektur: Wie die App die Wachshärte anpasst
Automatische Verschiebung in Richtung härterer Wachse bei technischem Schnee.
raceday.ski verschiebt die Wachsauswahl bei Kunstschnee automatisch in Richtung härterer Wachse — basierend auf dem physikalischen Effekt, dass Kunstschnee ein Reibungsregime erzeugt, das bei Naturschnee erst bei kälteren Temperaturen auftritt. Frischer Kunstschnee (< 3 Tage) wird stärker korrigiert als älterer, da sich die Kristallform durch Metamorphose innerhalb von 1–2 Wochen zunehmend dem Naturschnee annähert.
Konkret: Bei einer gemessenen Schneetemperatur von -5°C wählt die App auf frischem Kunstschnee das Wachs so, als wäre der Schnee -8°C kalt. Zusätzlich erhalten Wachse mit Molybdän- oder Graphit-Additiven einen Bonus, da diese auf abrasivem Kunstschnee nachweislich besser und länger halten.
Berechnungsdetails: Was die Werte bedeuten
Jeder Messwert und Physik-Parameter aus den Berechnungsdetails erklärt.
Wenn du auf der Empfehlungsseite die Berechnungsdetails aufklappst, siehst du die exakten Werte, die das V3-Modell berechnet hat. Hier erfährst du, was jeder einzelne Wert bedeutet und wie er die Wachsempfehlung beeinflusst.
1. Lufttemperatur
Die Temperatur der Luft auf der gewählten Höhe, gemessen 2 m über dem Boden. Die App korrigiert die Wetterstation-Daten mit dem dynamischen Höhengradienten auf deine Pistenhöhe. Die Lufttemperatur ist der Ausgangspunkt — aber nicht die Temperatur, die für die Wachswahl zählt.
2. Schnee-Tiefpunkt (letzte Nacht)
Die kälteste Temperatur, die die Schneeoberfläche in der vergangenen Nacht erreicht hat. Nachts strahlt Schnee Wärme ab (langwellige Strahlung) und kühlt dabei deutlich stärker aus als die umgebende Luft — oft 5–15°C kälter. Dieser Tiefpunkt bestimmt den Startpunkt, von dem sich der Schnee morgens wieder erwärmt. Je tiefer der Nachtwert, desto länger braucht die Sonne, um den Schnee aufzuwärmen — und desto härteres Wachs ist morgens nötig.
3. Hang-Konzentration & absorbierte Strahlung
Die Hang-Konzentration (z.B. 1.2×) zeigt, wie viel mehr oder weniger Sonnenstrahlung dein Hang im Vergleich zu einer flachen Fläche empfängt. Ein Südhang im Hochwinter kann das 2–3-Fache der Strahlung einer flachen Fläche erhalten, ein Nordhang nur 0.3× oder weniger. Die absorbierte Strahlung (in W/m²) ist die Energie, die tatsächlich in den Schnee eingeht — nach Abzug der reflektierten Strahlung (Albedo). Hohe Werte (>200 W/m²) erwärmen den Schnee schnell Richtung 0°C.
4. Höhengradient (Lapse Rate)
Gibt an, wie stark die Temperatur pro 100 Höhenmeter abnimmt. Der Standardwert ist −6.5°C/km, aber die App berechnet für jede Stunde einen individuellen Wert aus 8 Druckniveaus der Atmosphäre. Bei einer Inversion (warme Luftschicht über kalter) kann der Gradient sogar positiv sein — dann ist es oben wärmer als unten. Der Wert "dynamisch" bedeutet Echtzeitberechnung, "Fallback" bedeutet, dass die Druckdaten nicht verfügbar waren.
5. Emissivität (Brutsaert)
Ein Mass dafür, wie stark die Atmosphäre langwellige Wärmestrahlung zum Boden zurückstrahlt (0.0–1.0). Berechnet nach Brutsaert (1975) mit Crawford-Duchon- Wolkenkorrektur aus Dampfdruck und Bewölkung. Ein hoher Wert (0.85+) bedeutet viel Gegenstrahlung (bewölkt, feucht) — der Schnee kühlt nachts weniger aus. Ein tiefer Wert (0.65–0.75) bedeutet klaren, trockenen Himmel — der Schnee kann stark auskühlen. Direkte Auswirkung: Tiefe Emissivität = kälterer Schnee = härteres Wachs.
6. Albedo (CLASS)
Der Reflexionsgrad der Schneeoberfläche (0.0–1.0). Frischer Naturschnee reflektiert bis zu 85% der Sonnenstrahlung; für die präparierte Piste rechnet die App nach dem CLASS-Schema mit 0.70 (frisch präpariert) bis 0.40 (alter, verschmutzter Schnee), gealtert über das Schneealter. Das Schneealter (in Stunden) wird angezeigt. Hohe Albedo = weniger Erwärmung durch die Sonne = kälterer Schnee. Niedrige Albedo = mehr Absorption = wärmerer Schnee.
7. Sky-View-Faktor (SVF)
Misst, wie viel Himmel von deinem Standort aus sichtbar ist (0.0–1.0). Auf einem freien Gipfel ist der SVF nahe 1.0 — in einem engen Tal kann er auf 0.7 fallen, weil Berge 30% des Himmels verdecken. Ein niedriger SVF bedeutet: weniger direkte Sonne tagsüber (kälterer Schnee), aber auch weniger Abstrahlung nachts (wärmerer Schnee). Der Zusatz "Besonnt" oder "Im Schatten" zeigt, ob die Sonne aktuell den Hang erreicht — berechnet aus Sonnenstand und Horizontprofil.
8. Sublimation
Der Energiefluss durch direkten Übergang von Schnee zu Wasserdampf (ohne Schmelzen). Sublimation entzieht dem Schnee Energie und kühlt ihn — typischerweise −5 bis −20 W/m². Bei starkem Wind und trockener Luft verstärkt sich dieser Effekt. In seltenen Fällen (hohe Luftfeuchtigkeit, warme Luft) kann Kondensation auftreten, die den Schnee leicht erwärmt. Der Wert zeigt "Kühlung" oder "Erwärmung" an.
9. Schicht-Temperaturen (3-Layer)
Das V3-Modell berechnet drei separate Temperaturen:
• Oberfläche (3 cm): Die entscheidende Temperatur für die Wachswahl. Reagiert innerhalb von Minuten auf Sonneneinstrahlung und Wind.
• Tiefe (17 cm): Puffert den Tagesverlauf — ändert sich über Stunden. Zeigt, wie schnell sich der Schnee aufwärmt oder abkühlt.
• Basis (80 cm): Sehr träge, ändert sich über Tage. Zeigt den langfristigen Temperaturtrend der Schneedecke.
10. Regelkorrektur
Eine regelbasierte Nachkorrektur, die systematische Modellfehler ausgleicht. Zum Beispiel: Das physikalische Modell unterschätzt manchmal die nächtliche Abkühlung bei klarem Himmel. Die Regelkorrektur erkennt solche Muster und passt die Temperatur um typischerweise ±0.5–2°C an. Die angewendeten Regeln werden angezeigt.
11. Messstation (IMIS / LWD Tirol)
Die nächstgelegene automatische Messstation, die eine reale Schnee-Oberflächentemperatur misst — in der Schweiz die IMIS-Stationen des SLF, in Tirol die Stationen des Lawinenwarndienstes (Land Tirol). Der Kalman-Bias — die systematische Abweichung zwischen Modell und Messung — wird alle 2 Stunden von einem Validierungslauf direkt an den Stationen gelernt. Liegt eine Station im Umkreis von 15 km, wird die Prognose mit diesem Bias korrigiert und der Messwert angezeigt. Diese Korrektur verankert die Prognose in der Schweiz und in Tirol an realen Messwerten.
12. Sonnenstand
Zeigt die aktuelle Sonnenhöhe (in Grad über dem Horizont) und die Himmelsrichtung der Sonne (z.B. SO = Südost). Berechnet nach dem NOAA/Meeus-Algorithmus. Bei "Unter Horizont" ist es Nacht oder der Hang liegt im Schatten — keine direkte Sonneneinstrahlung, der Schnee kühlt weiter aus.
13. Wetter-Flags
Besondere Wetterbedingungen, die die Empfehlung beeinflussen:
• Föhn: Anomal warme, trockene Luft — der Schnee kann deutlich wärmer sein als erwartet. Weicheres Wachs empfohlen.
• Inversion: Warme Luft über kaltem Tal — oben kann es wärmer sein als unten. Der Höhengradient kehrt sich um.
• Regen auf Schnee: Eiskruste möglich — besonders abriebresistentes Wachs und aggressive Struktur nötig.
14. Kunstschnee-Korrektur (nur bei Kunstschnee)
Zeigt die physikalisch gemessene Schneetemperatur und die für die Wachswahl verwendete "verschobene" Temperatur. Der Offset (−3.0°C bei frischem, −1.5°C bei kompaktem Kunstschnee) sorgt dafür, dass ein härteres Wachs gewählt wird. Zusätzlich wird der Additiv-Bonus (+3 Punkte) für Wachse mit Molybdän/Graphit angezeigt.
15. Unsicherheitsband (±) & Konfidenz
Jede Schneetemperatur wird mit einem Unsicherheitsband angezeigt (z.B. −6.5 ±1.5°C). Es wird aus dem Konfidenz-Score abgeleitet (Bewölkung, Wind, Temperaturstabilität, Stationsnähe, Gelände u.a.) und reicht von ±0.5°C (sehr sichere Lage) bis ±4°C. Der zugrunde liegende Konfidenz-Wert (n/100) steht im Detail-Panel direkt unter dem Band.
Beispielrechnung: Vom Input zur Schneetemperatur
Schritt für Schritt nachvollziehbar.
Eingabe: Laterns-Gapfohl (1'785 m), 3. April, Startzeit 10:00, Südost-Hang (135°; die App fragt die vier Haupt-Expositionen ab — hier zur Illustration exakt gerechnet), Hangneigung 25°, klarer Himmel.
Schritt 1 — Wetterdaten (Open-Meteo):
Lufttemperatur 10:00: -3°C (höhenkorrigiert). Bewölkung: 15%. Wind: 8 km/h. Direkte Strahlung: 420 W/m². Diffuse Strahlung: 85 W/m².
Schritt 2 — Solarposition (NOAA/Meeus):
Sonnenhöhe: 32°. Sonnenazimut: 148° (SSO). Einfallswinkel auf SO-Hang: cos(i) = 0.91 → Fast senkrechte Einstrahlung! Absorbierte Strahlung: (420 × 0.91/0.53 + 85 × 0.93) × (1 - 0.65) = ~280 W/m² nach Albedo (Altschnee kompakt, Albedo 0.65).
Schritt 3 — Nacht-Gleichgewicht:
Atmosphärische Klarhimmel-Emissivität (Brutsaert 1975): 0.65. Nachttemperatur: -8°C. Strahlungsgleichgewicht ohne Sonne → T_s,night ≈ -13.8°C.
Schritt 4 — 3-Schicht-Modell (Nacht → 10:00):
Stundenweise Integration mit Newton-Iteration: Ab Sonnenaufgang (~06:30) steigt T_s durch absorbierte Strahlung. Gleichzeitig kühlt Wind (sensibler Wärmefluss) und Sublimation. Nach 3.5h Sonneneinstrahlung auf den SO-Hang: T_s ≈ -11.0°C.
Ergebnis: Schneetemperatur = -11°C bei Lufttemperatur -3°C. Die Schnee-Oberfläche ist 8°C kälter als die Luft — weil die nächtliche Abstrahlung die Oberfläche stark abgekühlt hat und die Morgensonne noch nicht genug Energie geliefert hat. Konfidenz: 78/100, angezeigt als Unsicherheitsband ±1.5°C (klare Bedingungen, gute Modellierbarkeit).
Wann ist Schnee wärmer als Luft?
Nachmittags-Sonne auf Südhang: Die Oberfläche schmilzt.
Es klingt kontraintuitiv, aber die Schneetemperatur kann tatsächlich höher sein als die Lufttemperatur — allerdings nie über 0°C (Schmelzpunkt). Das passiert typischerweise:
Nachmittags auf Südhang: Bei klarem Himmel und niedriger Lufttemperatur (-1 bis -5°C) kann die starke direkte Strahlung die Schneeoberfläche auf 0°C erwärmen, während die Luft noch kalt ist. Der Schnee beginnt dann oberflächlich zu schmelzen.
Wann ist Schnee kälter als Luft? Fast immer — besonders morgens. Nachts strahlt die Schneeoberfläche Wärme ab (langwellige Strahlung) und kühlt stark aus. Selbst wenn die Lufttemperatur bei -5°C liegt, kann die Schneeoberfläche auf -15°C oder kälter fallen. Dieser Effekt ist bei klarem Himmel und wenig Wind am stärksten.
Für die Wachswahl bedeutet das: Morgens tendenziell härteres Wachs nötig als die Lufttemperatur vermuten lässt. Nachmittags auf besonnten Hängen kann es deutlich wärmer sein als erwartet. Das V3-Modell berücksichtigt diesen Tagesverlauf.
Quellen und Referenzen
Peer-reviewed Forschung hinter der App.
Die wissenschaftliche Basis der App:
Gleitreibung & Wachs:
Wolfsperger, F. et al. (2021): "Snow Conditions and Ski Wax Performance." Cold Regions Science and Technology.
Bäurle, L. et al. (2006): "Sliding Friction of Polyethylene on Snow and Ice." ETH Zürich.
Theile, T. et al. (2009): "Mechanics of the Ski–Snow Contact." Tribology Letters, SLF/WSL.
Colbeck, S.C. (1992): "A Review of the Processes That Control Snow Friction." CRREL Report.
Breitschädel, F. (2012): "A New Wax for Cross-Country Ski Base Preparation." Norwegian University of Science.
Moldestad, D.A. (1999): "Some Aspects of Ski Base Sliding Friction and Ski Base Structure." NTNU.
Schneetemperatur-Modell (V3):
Meeus, J. (1991): "Astronomical Algorithms." (Solarposition)
Brutsaert, W. (1975): "On a Derivable Formula for Long-Wave Radiation from Clear Skies." Water Resources Research. (Atmosphärische Klarhimmel-Emissivität)
Crawford, T.M. & Duchon, C.E. (1999): "An Improved Parameterization for Estimating Effective Atmospheric Emissivity for Use in Calculating Daytime Downwelling Longwave Radiation." J. Applied Meteorology. (Bewölkungskorrektur)
Verseghy, D.L. (1991): "CLASS — A Canadian Land Surface Scheme." Int. J. Climatology. (Dynamische Albedo)
Sturm, M. et al. (1997): "The Thermal Conductivity of Seasonal Snow." J. Glaciology. (Schneeleitfähigkeit)
Boone, A. & Etchevers, P. (2001): "An Intercomparison of Three Snow Schemes (ISBA-ES)." J. Hydrometeorology. (3-Schicht-Architektur)
Alduchov, O.A. & Eskridge, R.E. (1996): "Improved Magnus Form Approximation." J. Applied Meteorology. (Sättigungsdampfdruck)
Rolland, C. (2003): "Spatial and Seasonal Variations of Air Temperature Lapse Rates in Alpine Regions." J. Climate. (Dynamische Höhenkorrektur)
SLF/WSL: IMIS-Messnetz (measurement-api.slf.ch) — Schnee-Oberflächentemperaturen für Punktvalidierung und Kalman-Bias-Korrektur. CC BY 4.0.
LWD Tirol: Offene Stationsdaten mit Schnee-Oberflächentemperatur für Österreich/Tirol. Datenquelle: Land Tirol - data.tirol.gv.at (LWD Tirol). CC BY 4.0.
Woher stammen die Daten?
Alle Eingaben im Überblick — transparent und nachvollziehbar.
Jede Empfehlung basiert auf einer Kombination aus öffentlichen Wetterdaten, Messnetzen, Geländemodellen und unserer kuratierten Wachs-Datenbank. Hier die vollständige Liste:
1. Wetterdaten — Open-Meteo (api.open-meteo.com/v1/forecast)
Kostenlose, kommerziell nutzbare API ohne API-Key. Stündliche Prognosen für Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Wolkenbedeckung, Wind, Niederschlag und Schneefall. Zusätzlich 8 Druckebenen (1000–700 hPa) für die dynamische Höhenkorrektur. Modell-Ensemble u. a. ICON-D2, AROME, ECMWF IFS. Antworten werden 30 Minuten im Server-Cache gehalten.
2. Schneetemperatur-Referenz — SLF IMIS (CH) & LWD Tirol (AT) (measurement-api.slf.ch, wiski.tirol.gv.at)
Aus dem IMIS-Messnetz des WSL-Institutes für Schnee- und Lawinenforschung SLF nutzen wir rund 130 Schneestationen in den Schweizer Alpen; in Österreich liefern rund 150 Stationen des Lawinenwarndienstes Tirol die Oberflächentemperatur (das offene Tiroler Netz führt daneben Stationen des Hydrographischen Dienstes ohne Oberflächentemperatur-Sensor). Die Schnee-Oberflächentemperatur (TSS bzw. OFT) wird alle 2 Stunden von einem Validierungslauf direkt an den Stationen mit dem Modell gepaart; daraus lernt der Kalman-Bias, der Prognosen in Stationsnähe (≤15 km) korrigiert. Lizenzen: CC BY 4.0 (SLF/WSL); Datenquelle: Land Tirol - data.tirol.gv.at (LWD Tirol), CC BY 4.0.
3. Geländemodell — vorberechnete SVF- und Horizont-Profile
Für jedes der >1100 Skigebiete haben wir den Sky-View-Factor (Himmelssichtbarkeit, 0–1) und ein vollständiges Horizont-Profil (36 Azimute × 11 Distanzen von 150 m bis 18 km) aus einem hybriden Höhenmodell (SRTM ≈90 m; in Nordskandinavien EU-DEM 25 m) vorberechnet. Die Abschattungs-Mathematik folgt Dozier & Frew (1990): SVF = 1 − (1/n)·Σ sin²(hi). Die Profile liegen als statische JSON-Datei im Build (svf-profiles.json) — keine Laufzeit-Abhängigkeit. Enge Talkessel zeigen tiefe Werte (Ernen/Goms 0.59, Trient 0.66, Val d’Anniviers 0.73), Gletscherlagen (Rettenbach 0.86) sind deutlich offener.
4. Wachs-Datenbank — kuratiert
127 Produkte von fünf Herstellern (Swix, Toko, Holmenkol, HWK, Rex). Temperaturbereiche, Bügeltemperaturen, Schneetyp-Eignung und Anwendungsform stammen direkt aus den Hersteller-Dokumenten (Wax Manuals, Produktdatenblätter, FIS-Zulassungen). Wird saisonal überprüft und bei Produktwechseln aktualisiert.
5. Feedback-Schleife — anonymisiert
Angemeldete Nutzer:innen können jede Empfehlung mit „Perfekt / Zu warm / Zu kalt / Falsches Wachs“ bewerten. Der Score eines Wachses wird bei wiederholt positivem Feedback leicht angehoben (max. +10 Punkte). Es werden keine personenbezogenen Daten gespeichert — nur Wachs-ID, Temperatur und Bewertung. Opt-out jederzeit möglich.
6. Skigebiet-Stammdaten — intern
Über 1'100 Skigebiete in den Alpen und Skandinavien mit Basis-/Gipfelhöhe und Koordinaten. Basis: offizielle Tourismus-Webseiten und OpenStreetMap.
Was wir NICHT verwenden:
- Keine direkte ECMWF-Anbindung (Lizenzkosten) — wir nutzen Open-Meteo als Aggregator.
- Kein GPS- oder Positions-Tracking.
- Keine Weitergabe von Daten an Dritte (Google Analytics, Facebook etc.).
- Keine Wachs-Empfehlungen auf Basis von Hersteller-Sponsoring — alle Marken werden gleich behandelt.
Stand der Datenquellen: laufend aktualisiert. Die verwendeten Quellen sind auf der Methodik-Seite dokumentiert.
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